Heute veranstaltete Eyes on Animals die erste internationale Konferenz, die sich ausschließlich dem Einfangen und Verladen von Geflügel widmete. Die Konferenz fand in Leiden (Niederlande) statt. Rund 80 Teilnehmende aus mehr als neun Ländern nahmen teil, darunter Fangteams aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland und den Niederlanden, Ingenieure für Geflügeltransportbehälter und Stall- bzw. Volierensysteme aus Italien und Polen sowie Forschende und Berater aus Dänemark, Schottland und Brasilien.
Alle zentralen Akteure, die an einer tierschutzgerechteren Gestaltung des Geflügelfangens und -verladens beteiligt sind, waren vertreten. Zu den Referenten gehörten Victor Lima aus Brasilien – wo die meisten Masthühner aufrecht gefangen werden –, Professor Donald Broom, ein Pionier auf dem Gebiet des aufrechten Fangens, sowie Peter Knapen, Inhaber des niederländischen Fangunternehmens Jekal. Gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten (siehe Programm unten) teilten sie ihre Erkenntnisse, praktischen Erfahrungen und innovativen Ideen.
Zentrale Botschaften des Tages waren unter anderem:
- Das Fangen muss ruhiger und weniger hastig erfolgen, um Verletzungen zu vermeiden. Dabei geht es nicht nur um die Fangtechnik (aufrecht oder an den Beinen, kopfüber), sondern vor allem darum, den massiven Zeitdruck durch Schlachthöfe und Transportunternehmen, die ein „Fangen im Hochgeschwindigkeitstempo“ verlangen, deutlich zu reduzieren.
- Der Prozess muss modernisiert werden – zum Schutz der Tiere und der Arbeiter. Wie kann es sein, dass Eier- und Mistentfernung automatisiert sind, während Menschen noch immer in große Höhen klettern oder auf schmutzigen Böden kriechen müssen, um Hennen manuell an den Beinen zu fangen?
- Das Design von Geflügeltransportbehältern und Volierensystemen muss dringend verbessert werden – etwa durch mehr Kopffreiheit in Transportmodulen, um Flügelverletzungen zu verhindern, sowie durch weniger Hindernisse in Volieren, gegen die Hennen beim Fangen stoßen können.
- Es wird mehr Forschung benötigt, um Verletzungen und Mortalität durch grobes Handling beim Fangen besser zurückverfolgen zu können. Studien zur Ursachenermittlung von Verletzungen bei Schweinen liefern wertvolle Erkenntnisse, die auch auf Geflügel übertragbar sein könnten. Auch Technologien wie künstliche Intelligenz sowie die Überwachung von Leberrupturen (die häufig durch unsachgemäßes Fangen entstehen) sind vielversprechend.
- Die derzeitigen offiziellen Schulungsprogramme für Geflügelfänger müssen aktualisiert werden: Sie sollten praxisnäher, interaktiver und in der Muttersprache der Fänger angeboten werden. Zudem braucht es mehr Anerkennung und Wertschätzung für diese Arbeit.
- Stress- und Verletzungsreduktion sollten belohnt werden – beispielsweise durch einen Preisaufschlag pro Tier für besonders schonend arbeitende Fangteams.
- Sorgfältigeres Handling – einschließlich des aufrechten Fangens – bietet ein erhebliches, bislang wenig genutztes wirtschaftliches Potenzial, etwa durch geringere Verluste beim Zuschnitt, bessere Fleischqualität und niedrigere Verlustraten bei der Ankunft. Grobes Fangen verursacht nicht nur Verletzungen, sondern kann auch zu Reputationsschäden führen.
- Verantwortung muss geteilt werden: Alle Akteure in der Lieferkette müssen Verantwortung übernehmen und zusammenarbeiten, statt sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben.
Die Konferenz war ein großer Erfolg: praxisnah, inspirierend und voller neuer Ideen. Ein kleineres Folgetreffen wird organisiert, um Designexperten und Praktiker zusammenzubringen und konkrete Lösungen zu entwickeln.
Ein besonderer Dank gilt dem Barth-Misset Fonds für die finanzielle Unterstützung – ohne ihn wäre diese Konferenz nicht möglich gewesen.









