Ende April 2025 veranstalteten Eyes on Animals (EonA) und Spezialisten der Universität Bristol eine zweitägige Schulung in einem Halal-Schlachthof in der Türkei. Ziel war es, Schlachthofmitarbeiter darin zu schulen, wie man ein Elektrobetäubungsgerät einsetzt, um Schafe vor der Schlachtung zu betäuben – eine Methode, die Schmerzen und Leiden erheblich reduziert. Wird sie korrekt durchgeführt, wird das Gehirn durch die Elektroden umspannt und die Wirkung tritt sofort ein, ohne dass Schmerzen entstehen. Die Tiere bleiben während der Schlachtung bewusstlos, sodass wir zumindest das Schreckensszenario verhindern können, dass Schafe bei vollem Bewusstsein an einem Bein aufgehängt und ihnen bei vollem Empfindungsvermögen die Kehle durchgeschnitten wird.
Der erste Tag war der Theorie gewidmet. In einem kleinen Schulungsraum direkt neben dem Schlachtbereich versammelten sich türkische und afghanische Arbeiter, um sich von Experten erklären zu lassen, wie die elektrische Kopfbetäubung funktioniert. Wir hielten Vorträge über die physiologischen Auswirkungen des Verfahrens und versicherten den Teilnehmern, dass diese Methode bei korrekter Anwendung vollständig mit den Halal-Grundsätzen vereinbar ist und die Zulässigkeit des Fleisches nicht beeinträchtigt. Die Arbeiter zeigten ehrliches Interesse, stellten durchdachte Fragen und beteiligten sich aktiv an Diskussionen über Tierschutz und religiöse Praktiken. Einer von ihnen hatte ein Familienmitglied mit Epilepsie und wusste daher schnell, dass während der Anfälle keine Schmerzen auftreten und keine Erinnerung an das Ereignis zurückbleibt.
Am zweiten Tag wurde die Theorie in die Praxis umgesetzt. Unter sorgfältiger Aufsicht wurden den Arbeitern im Schlachtbereich gezeigt, wie man einen elektrischen Betäubungsapparat für Schafe richtig handhabt und anwendet. In der Anlage war gerade ein Freund-Elektrobetäubungsgerät installiert worden, mit dem Tiere vor dem Hochziehen oder dem Kehlschnitt betäubt werden können.
Die Veranstaltung war von einer Atmosphäre der Konzentration und Lernbereitschaft geprägt. Einige Mitarbeiter, die anfangs skeptisch waren, zeigten sich sichtlich bewegt, als sie die unmittelbare Wirkung des Betäubungsgeräts auf die Tiere sahen. Für viele war es das erste Mal, dass sie sich mit den emotionalen und körperlichen Empfindungen der Schafe auseinandersetzten.
Ohne die Zusammenarbeit mehrerer Organisationen wäre diese Schulung nicht möglich gewesen. Acısız Kesim, eine türkische Nichtregierungsorganisation, die sich für das Betäuben in der Türkei einsetzt, spielte eine wichtige Rolle und wird dazu beitragen, diese Informationen an türkische Verbraucher und Supermärkte weiterzugeben. Und natürlich haben auch die Geschäftsführung und die Mitarbeiter des Schlachthofs selbst Offenheit und Engagement gezeigt und so zum Erfolg der Schulung beigetragen.
Aus der Schulung gingen mehrere positive Ergebnisse hervor: Der elektrische Betäubungsapparat von Freund ist nun voll einsatzfähig, was eine erhebliche Verbesserung für alle Schafe ist, die heute und morgen dort geschlachtet werden. Am wichtigsten ist vielleicht, dass sich die Sichtweise deutlich gewandelt hat – von der Ablehnung der Betäubung als fremdes Konzept hin zur Anerkennung als notwendige und respektvolle Praxis.
Diese Initiative gehört zu den größeren Projekten von Eyes on Animals, in der ganzen Türkei schonende Schlachtmethoden zu fördern. Auch wenn noch einige Herausforderungen vor uns liegen, macht das Engagement der Arbeiter und Manager Hoffnung. EonA wird diese Vorhaben weiterhin unterstützen und sich auch in Zukunft für einen respektvollen Umgang mit Tieren in allen Lebensphasen einsetzen, sogar in ihren letzten Lebensmomenten. Wir möchten uns bei den Spezialisten der Universität Bristol bedanken, die uns mit Leidenschaft und Professionalität helfen.





