Bei einem unangekündigten Folgebesuch von Eyes on Animals in einem weiteren Rinderschlachthof in der türkischen Region Tekirdağ trafen wir erneut auf mehrere Downer-Milchkühe – Tiere, die nicht mehr stehen oder laufen konnten.
Die Kühe zeigten deutliche Anzeichen von akutem Stress, darunter schnelle Atmung, Zittern und Schockzustände. Diese Tiere waren bereits auf dem Milchviehbetrieb schwer verletzt oder krank, doch durch grobes Handling beim Verladen und während des Transports kamen sie in einem extrem geschwächten und schockierten Zustand im Schlachthof an.
Was normalerweise geschieht
Dieser Schlachthof besitzt kein Betäubungsgerät und betäubt Tiere grundsätzlich nicht. Bei unserem vorherigen Besuch dokumentierten wir, wie Downer-Kühe über lange Strecken aus den LKWs gezerrt und anschließend hochgezogen und ihnen bei vollem Bewusstsein die Kehle durchgeschnitten wurde – eine Praxis, die extreme Angst und großes Leiden verursacht und in fast allen türkischen Schlachthöfen noch immer üblich ist.
Was sich bei diesem Besuch geändert hat
Während dieses Besuchs kamen vier Downer-Kühe an, während unser Team vor Ort war. Mit Genehmigung der Schlachthofleitung durfte Eyes on Animals diesmal alle vier Kühe mit einem Bolzenschussgerät betäuben, bevor sie aus dem LKW gezogen wurden.
Wir erklärten die Funktionsweise des Betäubungsgeräts und ermöglichten dem Personal, den Unterschied direkt zu beobachten. Sobald die Tiere betäubt waren, erlebten sie weder Angst noch Schmerzen während des Handlings, des Hochziehens oder des Kehlschnitts. Wir schätzen die Offenheit des Schlachthofs, diese Intervention zuzulassen.


Warum das Leiden weitergehen wird
Trotz der klar erkennbaren Tierschutzvorteile wagt es der Schlachthof bislang nicht, Betäubung routinemäßig einzusetzen. Aktuelle Auslegungen der Diyanet- und SMIIC-Halal-Standards, die in der Türkei und vielen anderen islamischen Ländern gelten, verbieten weiterhin die Betäubung. Infolgedessen werden ab dem darauffolgenden Tag gesunde Rinder sowie verletzte, nicht gehfähige Tiere erneut bei vollem Bewusstsein geschlachtet.
Ein beunruhigender Widerspruch
Es ist zutiefst besorgniserregend, dass Betäubung – eine Maßnahme, die eindeutig extremes Leiden verhindert – nicht gefördert wird, während Praktiken wie Zerren, Hochziehen und das Durchschneiden der Kehle bei vollem Bewusstsein befindlicher Tiere in der Türkei weiterhin toleriert werden.
Der Weg nach vorn
Viele Schlachthöfe in der Türkei übernehmen nach unseren Schulungen die Betäubung, sobald sie deren Wirkung in der Praxis sehen. Dieser Schlachthof hat Eyes on Animals nun gebeten, bei der Einholung einer offiziellen Genehmigung für den Einsatz von Betäubung zu helfen. Wir werden dieses Thema bei den zuständigen Behörden ansprechen und uns weiterhin für praktische Veränderungen einsetzen, die Tieren extremes und unnötiges Leiden ersparen.

