Heute hatten wir den Tierschutzbeauftragten einer großen deutschen Supermarktkette sowie einen Tierarzt des Deutschen Tierschutzbundes e.V. zu Besuch. Wir besichtigten einen großen Schlachthof, in dem Schweine mit einem automatisierten, elektrischen System betäubt werden, statt mit dem äußerst aversiven CO₂-Gas.
Schweine, die CO₂ ausgesetzt sind, erleben 15-30 Sekunden lang intensive Panik und Schmerzen bevor sie das Bewusstsein verlieren. Hohe Konzentrationen an CO₂ verursachen starke Atemnot und führen zu Verätzungen der Atemwege, der Lungen und der Augen.
Um eine humanere Alternative zu entwickeln, arbeitete Eyes on Animals mit diesem Schlachthof zusammen, um das automatisierte Elektrobetäubungssystem für Schweine zu verbessern bei dem die Tiere durch Stromschlag sofort bewusstlos werden.
Die Treibgänge zu den elektrischen Betäubungsanlagen wurden an das natürliche Verhalten der Schweine angepasst, und die Abläufe beim Treiben wurden sorgfältig festgelegt. Die Schweine werden in sehr kleinen Gruppen (maximal sechs Tiere) getrieben, sie können die Einzeleingänge nebeneinander betreten, und die Geschwindigkeit, mit der sie zur Betäubungsanlage geführt werden, wurde durch den Einsatz von drei zusätzlichen Betäubungseinheiten um 75 % reduziert. Dieses System ist nun schon seit mehreren Jahren erfolgreich in Betrieb.
Obwohl seit Jahrzehnten bekannt ist, dass CO₂ ein aggressives und äußerst aversives Gas ist, wird es in industriellen Schweineschlachthöfen nach wie vor weit verbreitet eingesetzt.
Eines der Hauptargumente gegen ein Verbot dieser Methode war bislang die Behauptung, es gebe keine realistische Alternative. Diese Situation hat sich geändert. In der Praxis haben wir gezeigt, dass ein groß angelegtes elektrisches Betäubungssystem technisch machbar ist und viel Leid verhindern kann.
Aus diesem Grund laden wir Supermärkte, Einzelhändler und Tierschutzorganisationen ein, sich dieses System selbst anzuschauen. Nur wenn Entscheidungsträger wissen, dass es eine Alternative gibt, können sie deren breitere Einführung aktiv unterstützen und fördern.
Während des Besuchs zeigten wir außerdem Videos von kleineren Schlachthöfen, wo man Stress durch ein durchdachtes Design und ruhigem Umgang mit den Tieren auf ein Minimum hält. Kleinere Schlachthöfe bieten oftmals bessere Möglichkeiten für einen stressarmen Umgang, weil die Kommunikation einfacher und der Arbeitsdruck oftmals geringer ist.
Durch den Austausch von Wissen, praktische Erfahrung und erfolgreichen Beispielen hoffen wir, damit im größeren Umfang Verbesserungen in Schlachthöfen zu bewirken. Ob es einem gefällt oder nicht, allein in Europa werden jeden Tag hunderttausende Schweine geschlachtet. Für diese Tiere macht es einen erheblichen Unterschied, ob sie in einen Schlachthof gelangen, wo die Betäubungsmethode extreme Panik auslöst, oder in einen, wo die Betäubung sofort eintritt und ein tiergerechter Umgang Priorität hat. Für jedes einzelne Tier bedeuten diese Verbesserungen einen entscheidenden Unterschied.


